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Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. DieVerantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

 

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Unterstützung beim Lesenlernen blinder und sehbehinderter Kinder durch ihre Eltern - Auswertung von Befragungen von Eltern in fünf europäischen Ländern

Einführung

 

Lesen ist die Fähigkeit, visuelle oder taktile Symbole zu interpretieren, zu Klängen zu verarbeiten, aus denen Worte gebildet werden, woraus der Leser dann mithilfe seiner Erfahrungen den Sinn der Zeichen entnehmen kann. Wie können Eltern ihre Kinder beim Lesenlernen unterstützen und ihnen gleichzeitig helfen, einen Erfahrungsschatz zu entwickeln, durch den sie das Gelesene verstehen?

Über die Sprache können wir unsere Erfahrungen und Gedanken mitteilen, und sie ebnet, über die Grenzen der konkreten Realität hinweg, den Weg zur Vorstellungskraft und ermöglicht es, über den Alltag hinausgehende Wünsche und Träume zu äußern. Gesprochene Sprache findet zwischen den Menschen im Hier und jetzt statt, doch das geschriebene Wort überwindet Zeit und Raum, sodass wir Menschen aus längst vergangenen Zeiten und weit entfernten Orten lauschen können, und über die Literatur indirekten Kontakt zu einer Welt der Gedanken und Fantasie aufbauen. Unsere Kultur hat sich so sehr von der Literatur abhängig gemacht, dass wir über sie die Welt verstehen und unseren Platz in ihr finden. Dadurch ist die Lesefähigkeit zum Schlüsselelement bei der Entwicklung unserer individuellen Persönlichkeit geworden, was gleichermaßen auf sehbehinderte Kinder zutrifft. Auch für blinde Kinder ist die Sprach- und Leseentwicklung zentral für das Entstehen eines Selbstbildes. Dazu müssen blinde und sehbehinderte Kinder jedoch einige Barrieren überwinden.

Andere Kinder und Erwachsene reagieren häufig negativ auf blinde oder sehbehinderte Kinder. Das kann von Überbehütung über Feindseligkeit bis hin zu extrem geringen Erwartungen reichen.

Auch das Umfeld weist viele Hindernisse und Gefahren auf, die blinden oder sehbehinderten Kindern das Erkunden und Sammeln von Erfahrungen in ihrer Umgebung erschweren.

Darüber hinaus gibt es Schwierigkeiten aufgrund funktioneller Einschränkungen. Beim Lesen etwa sind blinde und sehbehinderte Kinder eingeschränkt, weil sie Schwierigkeiten haben, Illustrationen zu erkennen und sich weniger als sehende Kinder an Wortbildern orientieren können.

Zieht man die funktionellen Einschränkungen, die bei blinden und sehbehinderten Kindern vorliegen, so wie Umgebung und Reaktionen Anderer auf Menschen mit Behinderungen in Betracht, ist es verständlich, dass es ihnen besonders schwer fällt, Selbstvertrauen zu entwickeln, ohne das Fähigkeit und Interesse an neuen Erfahrungen gehemmt werden.

Ziel des EVEIL-Projekts ist es, Hilfsangebote für Eltern zu schaffen, damit sie ihre Kinder beim Überwinden der Schwierigkeiten unterstützen können.

 

Die Untersuchung

 

Das Projekt hat zunächst die aktuelle Praxis in den Partnerländern analysiert. Besonders beim Erlernen der Brailleschrift ist professionelle Hilfe wichtig, doch die Arbeit der Lehrer kann durch Unterstützung der Eltern enorm erleichtert werden. Daher wird im Folgenden beschrieben, wie Eltern aus den Partnerländern ihre Kinder derzeit unterstützen.

Die Projektpartner erhielten zur Befragung der Eltern einen teilstrukturierten Fragebogen, bei dem ausführliche Antworten erwünscht waren.

Insgesamt nahmen die Eltern von 42 Kindern an der Befragung teil:

 

-        Tschechische Republik - 9

-        Frankreich - 11

-        Deutschland - 8

-        Irland - 10

-        Slowakei - 4

 

Zur Durchführung der Untersuchung wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. Die Informationen mussten bei Eltern in ganz unterschiedlichen Lebensumständen ermittelt werden, deren Kinder in verschiedenen Bildungssystemen unterrichtet werden. Daher konzentrierten sich die Fragen auf Allgemeines und sollten den Eltern die Möglichkeit geben, näher auf die Themen einzugehen, die sie am Meisten bewegten, und auf ihre Art, ihre Kinder zu unterstützen. Es gab Unterschiede in der Ausführlichkeit, in der verschiedene Elterngruppen die Fragen beantworteten, aber in allen Partnerländern wurden dieselben Grundprobleme angesprochen. Das deutet darauf hin, dass es einige gemeinsame Fragestellungen gibt, auf die das Projekt eingehen kann.

 

Teilnehmende Kinder

 

Zahl der Kinder

42

Altersstruktur

3-12

Sehfähigkeit

6:60 bis keine Lichtwahrnehmung

Weitere Sehbehinderungen in der Familie

12

Einzelkinder

14

Schulkinder

25

Davon an Sonderschulen

1

Bei den Eltern lebend, aber zeitweise in der Krippe oder bei einer Tagesmutter

17

Weitere genutzte Hilfsangebote

Spezialisierte Beratungslehrer, Betreuung im Unterricht, Orthoptist, Ergotherapie, Physiotherapie

 

Bevorzugtes Lesemedium

 

16 nutzen nur die Brailleschrift und 12 nutzen Großdruck. (7 haben nicht geantwortet C.R) 1 unsicher (SK)

6 Kinder nutzen Großdruck und Brailleschrift,

Diese Frage wurde nicht von allen Eltern beantwortet, und aus der Altersstruktur der Kinder lässt sich schließen, dass 8 der Kinder noch nicht mit dem Lesen, aber bereits mit der Lesevorbereitung angefangen haben.

Mobilität

 

Die Mobilität hat sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf die Leseentwicklung. Es gibt eine Verbindung zwischen Selbstvertrauen und aktivem Lernen. D. h., dass ein Kind, das sich selbstbewusst in seiner Umgebung bewegt, wahrscheinlich auch selbstbewusst an die Lernaufgabe geht. Ein direkterer Einflussfaktor der Mobilität ist die erhöhte Fähigkeit eines selbstbewusst-mobilen Kindes, die Geschichten im Buch mit eigenen Erfahrungen in verschiedenen Umgebungen zu verbinden und leichter in die Fantasiewelt der Geschichten eintauchen zu können. Ein Kind, das die Erfahrung unabhängiger Bewegung gemacht hat, hat eine genauere Vorstellung von seiner Umgebung als ein Kind, das immer an der Hand geführt wird.

Wenn in einer Geschichte z. B. ein Geschäft vorkommt, verstehen das die Kinder am Besten, die regelmäßig einkaufen gehen und das Geschäft selbstständig erkunden dürfen, mit den typischen Geräuschen und Gerüchen, die Dinge anfassen und sie sich erklären lassen. Über die vorhandenen Sinne sammeln die Kinder einen Erfahrungsschatz, der das Geschichtenlesen bereichert. Eine Geschichte, in der ein Wald vorkommt, wird durch Erinnerungen an das Wirrwarr von Wurzeln und Ästen auf einem Waldweg viel lebendiger, weil sie dann den Geruch von Herbstlaub und den Klang der Vogelstimmen beinhaltet. Das Meer kann eine abstrakte Beschreibung oder eine lebendige Erinnerung an die Kraft der Brandung, den Geruch nach Algen, das Kreischen der Möwen und die Wellen sein. Je nachdem, welche Erfahrungen ein Kind gemacht hat, können die Situationen in einer Geschichte sehr wenig bedeuten oder das Kind in eine bunte Welt aus Vorstellungen und Erinnerungen entführen. Bei sehenden Kindern können diese Vorstellungen durch Bilder und Worte ausgelöst werden, aber blinde Kinder haben nichts von den Bildern, mit denen eine Geschichte angereichert wird. So ist Mobilität also unerlässlich, damit Kinder Selbstvertrauen entwickeln und ihre Umgebung begreifen lernen, was dann ihre Leseerfahrungen beeinflusst.

 

Unabhängige Mobilität

 

Wie erwartet, nannten die Eltern auf die Frage, welche Wege ihre Kinder ohne Hilfe zurücklegten, Wege im Bereich der eigenen Häuser und Gärten und, wenn die Kinder zur Schule gingen, im Bereich des Klassenzimmers. Wenn die Schule nah beim Elternhaus liegt, gehen manche Kinder allein dorthin, wobei aber immer ein Elternteil in der Nähe ist. Bei allen Teilnehmern ist dieses Muster der Beschränkung unabhängiger Bewegung auf bekanntes Umfeld zu erkennen. Einige Eltern sorgen aber auch für Situationen, in denen den Kindern mehr Eigenständigkeit erlaubt wird, z. B. in dem ein Elternteil vor der Bäckerei wartet, während das Kind alleine hineingeht, um Brot zu kaufen.

Die Eltern wurden gefragt, wobei sie ihren Kindern helfen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Sie nannten Toilettengänge, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, in Autos ein- und aussteigen, so wie potenzielle Gefahrensituationen wie verkehrsreiche Gebiete, Hindernisse, Glastüren, schlechte Beleuchtung oder schlechte Kontraste und unebene Gehwege. Die Art der Unterstützung konnte darin bestehen, das Kind in einen Kinderwagen zu setzen, es an der Hand zu halten, vor Gefahren zu warnen, die Umgebung zu beschreiben oder zum Einsatz des Langstocks aufzufordern, um Gefahren zu erkennen.

 

Mobilität im sozialen Umfeld

 

Die Eltern wurden gefragt, auf welche Schwierigkeiten ihr Kind unterwegs in sozialen Situationen stoße, und in ihren Antworten fanden sich Beispiele für alle 4 der oben genannten Barrieren wieder.

Andere von Weitem zu erkennen ist schwierig für einen sehbehinderten und unmöglich für einen blinden Menschen. Bei einigen Augenkrankheiten kann die Sonne blenden und Menschen mit Retinitis Pigmentosa haben große Schwierigkeiten bei Dunkelheit oder tiefem Schatten. All diese Probleme im Zusammenhang mit Einschränkungen durch die Augenkrankheit wurden als Hindernisse bei der normalen sozialen Nutzung des öffentlichen Raums genannt.

Von einigen Eltern wurde auch die Art des Umfelds selbst genannt, insbesondere Absätze bei Bürgersteigen, automatische Türen, Stufen, scharfe Kanten an Ladentheken oder Auslagen, Baumwurzeln und Verkehr.

Zum Umfeld gehörten für die Eltern auch Menschen, die ihre blinden oder sehbehinderten Kinder entweder überbehüteten oder ihnen feindselig oder ablehnend begegneten. Am ehesten schienen ältere Menschen zum Überbehüten zu neigen und den Kindern am Wenigsten zuzutrauen, möglicherweise aufgrund einer negativen/mitleidsbetonten Grundeinstellung gegenüber Behinderungen. Damit erschwerten sie häufig sogar die Entwicklung der Kinder, z. B. durch zu viel Hilfestellung in der Bewegung, Kleinschneiden des Essens für das Kind, etc.

Einige Eltern gaben an, ihre Kinder fühlten sich in großen Menschenmengen und bei viel Lärm unwohl. Dieser Mangel an Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit überrascht nicht, bedenkt man die Barrieren, auf die die Kinder treffen und Schmerzen, wenn die Kinder sich, beim Versuch, sich frei zu bewegen, stoßen, auf etwas treten oder fallen.

Zu diesen von den Eltern genannten Schwierigkeiten kam in einem Fall noch hinzu, dass das Kind mehrfach körperbehindert, und daher in seiner Fähigkeit, sich frei zu bewegen zusätzlich eingeschränkt war.

 

Erkundung neuer Umgebungen

 

Die an der Befragung teilnehmenden Eltern hatten vielfältige Strategien entwickelt, ihrem Kind bei der Erkundung einer neuen Umgebung zu helfen, oder es dabei sich selbst zu überlassen:

 

Alle Eltern geben verbale Unterstützung, wenn sie ihre Kinder begleiten. Sie weisen auf Besonderheiten und Gefahren hin, bis die Wege vertraut sind und ihr Kind es sich zutraut, sie auch allein zurückzulegen.

 

Einige Eltern basteln taktile Karten. Sie bauen die Umgebung mit Legosteinen oder anderem Spielzeug nach oder nutzen Computerbilder und Landkarten. Sie ermutigen ihre Kinder darüber hinaus, die Umgebung direkt zu erkunden, damit sie die verschiedenen Dinge/Lebewesen ihrer Umgebung selbst kennenlernen. Sie dürfen Steine aus dem Wasser holen oder unter Felsen nach Krebsen suchen. Außerdem halten sie ihre Kinder besonders dazu an, die Dinge am Klang zu erkennen.

Eine häufige Art, den Erfahrungsschatz eines Kindes mit seiner Umgebung zu erweitern, sind regelmäßige Spaziergänge, immer an denselben Ort, bis das Kind das Gebiet als sicher wahrnimmt. In einem Fall darf das Kind sich zusammen mit einem Geschwister auf den Weg machen. Ein Elternteil versucht, am Strand oder zum Picknick immer denselben Ort aufzusuchen, damit das Kind sich auf dem vertrauten Weg sicher fühlt. Ein Elternteil bemerkte dennoch, dass neue Umgebungen beim Kind Stress auslösten. Es ziehe sich dann zurück und wolle ständigen Körperkontakt zu einem Elternteil halten.

 

Erkennen von Dingen in der Umgebung

 

Den Eltern wurde die Frage gestellt, auf welche Weise sie es ihren Kindern ermöglichten, selbstständig mit Objekten und ihrer Umgebung umzugehen. Antworten waren:

 

-        Spaziergänge im Park, Wald, am Fluss oder Strand, wobei sie zum taktilen Erkunden, z. B. von Steinen, auffordern,

-        Dem Kind die Produkte im Supermarkt zeigen und zur taktilen Erkundung auffordern,

-        Aktive Beteiligung am Alltag, z. B. Briefe zur Post bringen, den Einkauf im Geschäft bezahlen,

-        Backen, zum Umgang mit und Mischen von Zutaten,

-        Selbst telefonieren, etc.

-        In einer Zoohandlung oder auf dem Bauernhof Tiere streicheln und halten,

-        Bei der Gartenarbeit helfen, Oberflächen und Formen verschiedener Blätter anfassen,

-        Spiel und Sport zur Verbesserung von Koordination und Raumgefühl.

 

Trotz der vielen Aktivitäten, die die Eltern nennen konnten, berichteten viele, ihr Kind habe auf bevorstehende neue Erfahrungen schon einmal mit Angst und Unlust reagiert. Durch sanfte Ermutigung und immer mehr Kontakt zu neuem Material konnten die meisten Kinder, laut Aussage ihrer Eltern, die anfänglichen Schwierigkeiten jedoch überwinden. Als Anschauungsmaterial nutzen die Eltern lieber echte Gegenstände als Spielzeug oder Modelle.

 

Strategien zum Erklären nicht zugänglicher Umweltphänomene oder Gegenstände

 

Eltern beschreiben wilde Tiere, indem sie Besonderheiten hervorheben, Modelle zeigen und die Größe mit der des Kindes vergleichen oder Tiergeräusche imitieren.

Das bauliche Umfeld und größere Räume, wie der öffentliche Personennahverkehr, werden anhand von Legosteinen und anderen Spielsachen erklärt. Bei Kindern mit gutem Sehrest nutzen die Eltern Zeichnungen und Illustrationen. Sie fordern auch das Kind dazu auf, und nutzen außerdem Fernsehsendungen oder Lieblingsgeschichten für Erklärungen.

Im Allgemeinen versuchen die Eltern, den Bezug zu einem ähnlichen Ereignis/Objekt herzustellen, das das Kind schon kennt.

 

Lesegewohnheiten der Kinder

 

-        Zurzeit nutzen 8 Kinder normale Schwarzdruckbücher,

-        13 nutzen Großdruckbücher,

-        14 nutzen taktile/Braillebücher und

-        11 nutzen Hörbücher.

-        Alle Kinder, die zur Schule gehen, lesen täglich auch zu Hause in ihren Schulbüchern.

-        Mehr als die Hälfte der Kinder bekommen vor dem Einschlafen von den Eltern eine Geschichte vorgelesen oder lesen alleine im Bett,

-        10 Kinder entscheiden, ob sie selbst lesen möchten oder die Eltern bitten, ihnen ein bestimmtes Buch vorzulesen.

-        19 Kinder sind Mitglieder einer Stadtbücherei,

-        15 sind Mitglieder einer Spezialbibliothek für blinde und sehbehinderte Menschen.

-        2 nutzen die Schulbücherei,

-        1 Mutter nutzt die Universitätsbibliothek an ihrem Arbeitsplatz.

 

Buchkäufe der Eltern

 

-        11 Eltern kaufen monatlich oder alle 2 Monate Bücher,

-        21 kaufen selten Bücher.

-        Einige Eltern halten es nicht für notwendig, Bücher zu kaufen, da sie ihre häufigen Bibliotheksbesuche für ausreichend erachten.

 

Die Lesegewohnheiten der Eltern

 

Es ist erwiesen, dass Kinder aus Familien, in denen Bücher selbstverständlich zum Alltag gehören und die Eltern regelmäßig lesen, schneller lesen lernen als Kinder aus Familien, in denen das Lesen weniger Raum einnimmt. Dafür ist einer der wahrscheinlichen Gründe, dass Eltern, die gerne und viel lesen, auch eher ihren Kindern vorlesen und ihre eigene Begeisterung an sie weitergeben. In jedem Fall nehmen Elternpflichten aber viel Zeit in Anspruch, und ein blindes oder sehbehindertes Kind braucht noch mehr Zeit, wodurch den Eltern dann noch weniger Freizeit bleibt. Arbeiten dann auch noch beide Eltern, können sie noch weniger lesen. Die Antworten bei der Befragung überraschen also nicht.

 

Kauf von Kinderbüchern

 

Die Eltern äußerten genaue Vorstellungen davon, was für die Auswahl eines Buchs für ihr Kind wichtig sei.

 

-        Große, deutliche Schrift.

-        Bunte, klare und einfache Illustrationen.

-        Eine interessante Geschichte.

-        Bezug zu einem dem Kind bekannten Ereignis.

-        Geschichten über eine Lieblingsfigur aus Film und Fernsehen.

-        Möglicher Lernerfolg.

-        Taktile oder interaktive Bücher (z. B. Deckel öffnen).

-        Günstiger Preis.

-        Bücher, bei denen die Illustrationen weniger wichtig sind, die aber in guter, klarer Sprache geschrieben sind.

-        Langlebige Bücher, die über längere Zeit genutzt werden können.

 

Mit Folgendem haben die Eltern beim Buchkauf schlechte Erfahrungen gemacht:

-        Nicht altersgemäße Tastbücher

-        Schlechte Kontraste/Farben/Druckgröße

-        Zu viel Text

-        Überladene Bilder

 

Die hohen Preise für Bücher wurden von den meisten Eltern angesprochen, mit Ausnahme von Irland. Die Meisten gaben an, es gebe zu wenige Bücher in Brailleschrift und Großdruck.

32 der befragten Eltern gaben an, sich die Bücher vor dem Kaufen oder Ausleihen genau anzuschauen und sich die Frage zu stellen, was ihr Kind davon haben würde. Sie äußerten die Tendenz, immer dann Bücher zu kaufen, wenn das Kind mit einer neuen Situation konfrontiert werde. Als Beispiele wurden ein Zahnarztbesuch, die Einschulung und ein Todesfall genannt. Dass eine Geschichte es vermag, ein Kind mit einer zukünftigen Erfahrung bekannt zu machen, zeigt den Zusammenhang zwischen der Fantasiewelt in Geschichten und der Realität auf. Genau dieser Zusammenhang ermöglicht es außerdem, dass Erfahrungen aus der Vergangenheit das Leseerlebnis bereichern. Gerade deshalb ist es so wichtig für Kinder, dass sie für das Lesen einen großen Erfahrungsschatz mitbringen.

 

Kindern Helfen, Bilder zu verstehen

 

Im Rahmen des Fragebogens erläuterten die Eltern verschiedene Strategien, die sie nutzen, um ihrem Kind beim Verstehen von Bildern in Büchern zu helfen, z. B.:

 

-        Das Kind auffordern, eine Sehhilfe zu benutzen

-        Detaillierte Erklärung der visuellen Inhalte

-        Das Kind fragen, was in der Geschichte passiert und die fehlenden Teile ergänzen

-        Fragen, was das Kind sieht und die Aufmerksamkeit durch Vergrößerung oder Beschreibungen auf die Dinge lenken, die es nicht gesehen hat

-        Nachzeichnen der Bilder, die das Kind nicht sehen kann oder schlecht gezeichneter Bilder

-        Dem Kind helfen, mit dem Finger nachzufahren

-        Anhand früherer Erfahrungen näher erklären

-        Hauptaugenmerk auf den Text richten

-        Bezug zu Gegenständen herstellen

-        Die Geschichte mit Handlungen nachspielen

 

Auf die Frage, ob sie Ereignisse/Gegenstände/Figuren in Geschichten immer erklären und beschreiben oder lieber mit der Erklärung warten, bis das Kind selbst fragt, sagten die Eltern, dass das Kind in der Regel nachfrage, wenn sie Erklärungen anböten.

 

Helfen, den Text zu verstehen

 

Die Eltern ermutigen ihre Kinder, ihre Antworten auf Fragen zur Geschichte auszuweiten, bitten das Kind, die Ereignisse mit eigenen Worten nachzuerzählen oder stellen detaillierte Fragen, um festzustellen, ob das Kind die Begriffe verstanden hat.

14 Eltern haben schon einmal nach einer der folgenden Strategien ein Buch auf die Bedürfnisse ihres Kindes angepasst:

 

-        Das Kind selbst zur Hauptfigur der Geschichte gemacht

-        Text ausgelassen, den sie für ungeeignet hielten

-        Andere Bücher für weitere Erklärungen genutzt

-        Spannendere Formulierungen benutzt, um Interesse zu wecken

-        Bezug zu Gegenständen hergestellt

-        Druck und Bilder vergrößert

-        Spiele aus der Geschichte gemacht

-        Lupe benutzt

-        Taktile Details hinzugefügt

-        Taktile Elemente als Stellvertreter für Farben eingeführt, z. B. rot = Samt

 

Verstehen, wie viel das Kind noch sieht

 

Die Eltern wurden gefragt, ob sie genau wissen, was ihr Kind noch, bzw. nicht mehr sehen kann.

12 Eltern antworteten, sie seien sich sicher, 23, sie wüssten nicht immer genau, was ihr Kind sehen könne. Diese Frage war nicht relevant für Eltern von Kindern ohne Lichtwahrnehmung. Diese könnten aber geantwortet haben, sie wüssten genau bescheid.

Einige der Eltern möchten gerne wissen, was genau das Kind wie gut sehen kann und beschrieben ihre Versuche, das Sehvermögen ihres Kindes einzuschätzen:

 

-        Anhand täglicher Erfahrungen lernen

-        Einige haben Simulationsbrillen benutzt und als hilfreich empfunden.

-        Sie erkunden Gegenstände/die Umgebung mit geschlossenen Augen.

-        Sie bitten das Kind, zu beschreiben, was es sehen kann.

 

Viele Eltern sagten, sie wollten abwarten, bis das Kind älter sei und genauer beschreiben könne, was es noch sieht.

Wenn sie nicht genau wissen, über welche visuellen Eindrücke ihr Kind verfügt, ist es für die Eltern schwierig, einzuschätzen, welches Bild es sich von der Welt macht. Die Kinder reden nur selten über dieses allgemeine Weltbild. Von einem deutschen Elternteil wurde das Beispiel genannt, das Kind habe Angst vor dem Treppenhaus gehabt, weil es dachte, dort sei ein Loch, durch das es in die untere Etage fallen könne.

 

Unterstützung der Eltern

 

Auf die Frage, was nötig wäre, damit sie ihre Kinder noch besser unterstützen könnten, machten die Eltern einige Vorschläge. Die Meisten wurden mehrfach genannt.

 

-        Schulung in der Nutzung von Sehhilfen

-        Bessere Verfügbarkeit von Großdruckbüchern

-        Mehr Spaß beim Lesen in der Schule

-        Strategien um beim Kind mehr Interesse am Lesen zu wecken

-        Höhere Qualität bei den Büchern aus örtlichen Bibliotheken

-        Altersgerechte Geschichten

-        Beratung bei der Auswahl von Büchern, Websites, Bibliotheken, etc., mit entsprechenden Altersangaben

-        Ein Elternforum zum Thema Lesen mit blinden und sehbehinderten Kindern..

-        Einschätzung des Sehrests des Kindes

-        Bewegungsstimmulierung

-        Die Grundbegriffe der Begriffsbildung und Besonderheiten bei blinden und sehbehinderten Kindern

-        Wissen über taktile Grafiken und Möglichkeiten, Bücher anzupassen

-        Unterstützung der Eltern beim Erlernen der Brailleschrift und Tipps zur möglichen Anwendung mit den Kindern vor dem Erwerb der Lese-/Schreibkompetenz

-         Bücher mit Brailleschrift und Schwarzdruck, um gemeinsam mit dem Kind lesen zu können

-        Mehr Zeit mit dem Kind verbringen

 

Lesenlernen ist ein Prozess, der abhängig von der vorangegangenen Sprachenticklung abläuft. Die Weiterentwicklung der Lesekompetenz ist vom Erfahrungsschatz des Lesers abhängig. Je größer dieser ist, um so reicher auch die Leseerfahrung. Um über Geschichten in eine Fantasiewelt eintauchen zu können, müssen Kinder auf reale Erfahrungen zurückgreifen können. Diese zu sammeln ist für blinde Kinder besonders schwierig. Die Eltern, die den EVEIL-Fragebogen beantworteten, waren sich dieser Schwierigkeiten aber durchaus bewusst und hatten vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt, mit denen sie ihre Kinder ermutigen konnten, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und unabhängiger zu werden, was also weit über Vorschläge zur Entwicklung der Lesefähigkeit hinausging.

 

Schlussfolgerungen:

 

Das interessanteste Ergebnis der Umfrage ist, dass die Eltern sehr viel über die funktionellen Auswirkungen des Sehverlusts auf ihre Kinder wissen. Noch wichtiger ist, dass ihre Aussagen zu Problemlösungsstrategien zeigen, wie wichtig diese Themen in der Literatur für Eltern blinder Kinder sind.

Trotz dieser Erkenntnis gaben nur 12 Eltern an, sicher zu wissen, was ihr Kind noch/nicht mehr sehen kann. Typische Antworten zeigen, dass sich die Eltern stark auf Messungen der Sehschärfe beim Augenarzt verlassen und darauf hoffen, dass ihr Kind ihnen später, wenn es älter ist, genau sagen kann, was es noch bzw. nicht mehr sieht. Beide Strategien machen die Eltern entweder von medizinischen Tests abhängig, oder sie warten auf Informationen, die ihnen ihr Kind vielleicht niemals wird geben können. Eltern sind Konstanten im Leben eines Kindes, und ihnen muss professionell geholfen werden, aufgrund von Erfahrungen und Beobachtungen einzuschätzen, was ihr Kind noch/nicht mehr sehen kann. Es ist wichtig, die Eltern in ihrer Rolle zu stärken und ihnen gleichzeitig zu helfen, ihr Wissen selbstbewusst an professionelle Unterstützer weiterzugeben, die zum ersten Mal mit dem Kind arbeiten, und auch an andere Eltern, die Unterstützung suchen.

Wenn es darum geht, dass Eltern ihrem Kind helfen, auch das zu verstehen, was es von der Welt nicht sieht, ist den Eltern blinder Kinder durchaus bewusst, dass sie Beschreibungen und zusätzliche Erklärungen geben müssen, um dem Kind auch die Informationen zugänglich zu machen, die es über das Sehen nicht aufnehmen kann. Dabei liegt die Herausforderung für die Eltern darin, den geeignetsten Weg zu finden, diese Informationen zu geben. Etwas anders ist die Situation von Eltern, deren Kind noch über einen Sehrest verfügt. Oft sind die Eltern sich nicht sicher, wie viele Informationen das Kind selbst aufnimmt und wie viel sie aufgrund dessen zusätzlich erläutern müssen.

Die meisten Eltern wiesen auf den Mangel an geeignetem Lesestoff hin, sodass viele dazu übergegangen sind, selbst Bücher auf die Bedürfnisse ihrer Kinder anzupassen. Daher ist es besonders wichtig, z. B. im Rahmen des EVEIL-Projekts, sich mit diesen Problemen zu befassen, die nicht kurzfristig lösbar sind, bzw. würden hohe Produktionskosten die Verfügbarkeit geeigneter Bücher erschweren. Die Workshops, die im Rahmen des Projekts entwickelt und durchgeführt werden, orientieren sich daher an den Bedürfnissen der Eltern, die ihre Kinder bei Sprachentwicklung und Begriffsbildung unterstützen und die Lesefähigkeit fördern und verbessern möchten.

Auf viele Unterstützungswünsche der Eltern kann im Rahmen des EVEIL-Projekts nicht direkt eingegangen werden. Beispiele sind die Wünsche nach mehr Großdruckbüchern und danach, mehr Zeit mit dem Kind verbringen zu können. Unsere Aufgabe ist jedoch, diese Bedürfnisse an Einrichtungen heranzutragen, die bessere Möglichkeiten haben, darauf einzugehen.

Die von den Partnerländern Deutschland und Irland entwickelten Workshops werden auf die Unterstützungsbedürfnisse eingehen, die im Rahmen der Befragung von Eltern aus allen Partnerländern genannt wurden:

 

-        Den Eltern Kenntnisse über Begriffsbildung, so wie deren Bedeutung für blinde und sehbehinderte Kinder beim Erwerb lebenspraktischer Fähigkeiten vermitteln.

-        Strategien, Spaß am unabhängigen Lesen zu vermitteln

 

-        Hilfe für die Eltern bei der Einschätzung des Sehrests ihres Kindes

 

-        Tasttraining für das Kind

 

-        Näheres über taktile Grafiken und Modelle vermitteln, und darüber, wie Bücher angepasst werden können



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